Jean-Jacques Ruchti

 

Es war Steve McQueen; für seinen Film «Le Mans» hat er eine komplett neue Kameraführung entwickelt, schwärmt Jean-Jacques Ruchti, als wir uns zum Interview treffen. Die Bilder haben Jean-Jacques offensichtlich nie mehr losgelassen. Jahre später durfte er für das Formel Eins Team von Peter Sauber fotografieren. Reingerutscht sei er da, meint der Fotograf im Gespräch. Nachdem er für regionale Zeitungen und Werbeagenturen fotografiert hatte, wurde er beauftragt, im Werk von Peter Sauber zu fotografieren. 

Dabei ging es um eine Imagekampagne für die Sponsoren. Als technisch versierter Fotograf fertigte Ruchti Aufnahmen aus dem Windkanal an, rückte die Architektur und die Bauteile von Saubers Rennwagen ins richtige Licht und porträtierte die Fahrer und das Team. Für die Aufnahmen des neuen Rennwagens stand nur gerade ein Wochenende kurz vor Saisonbeginn zur Verfügung, vieles wurde in Nachtschichten erarbeitet. Dabei war es auch wichtig, der Konkurrenz nicht zu viele tech nische Details zu verraten. Also wurden manche Partien später retuschiert oder so belichtet, dass verräterische Einzelteile verborgen blieben. Die Arbeit Jean-Jacques Ruchtis beschränkt sich nicht auf die Fotografie alleine. Es ging immer darum, ein Look and Feel für die Sponsoren zu kreieren. Es galt immer auch, die Corporate Identity zu wahren und gleichzeitig den Sponsorenwünschen gerecht zu werden. 

Schliesslich durfte Jean-Jacques den Testfahrten beiwohnen. Er erinnerte sich an die spektakulären Bilder aus «Le Mans» und überzeugte Peter Sauber von seiner Idee, den Rennwagen in voller Fahrt auf der Piste zu fotografieren. Um die Aufnahme zu realisieren, baute er kurzerhand einen Sportwagen um, entfernte den Kofferraum-Deckel und installierte drei Blitzleuchten und zwei ferngesteuerte Kameras. Er selbst legte sich mit einer Leica S in den Kofferraum. Gerade mal eine Runde stand dem Team dabei zur Verfügung. Die Bilder jedoch, sie überdauern die Zeit. 

Jean-Jacques Ruchti absolvierte die Fotoklasse an der Schule für Gestaltung in Zürich. Er wurde nicht zuletzt durch seine Reportagen über verschiedene «Brennpunkte» der Weltgeschichte bekannt, unter anderem aus Chiapas, Palästina, Iran und Afghanistan nach der Taliban-Herrschaft.

Seit 1995 führte Jean-Jacques Ruchti ein eigenes Fotostudio in Aarau, vor kurzem ist er in neuen Räumlichkeiten im solothurnischen Schönenwerd zu Hause.

www.grundlicht.ch

 

Werner Rolli