Comeback: Sofortbildfotografie wird aufpoliert

 

Das Sofortbild – allgemein oft auch als Polaroidbild bezeichnet – ist mit dem Siegeszug der digitalen Fotografie ausgestorben. Das war, zumindest bis vor kurzem, die vorherrschende Meinung in Presse und Industrie. Doch weit gefehlt. Ähnlich wie Vinylschallplatten ein Comeback erleben, hat sich auch das Sofortbild wieder einen festen Platz in der Welt der Fotografie erobert. Unbestritten ist, dass Papierbilder einen anderen Stellenwert haben, als Dateien, die auf Smartphones, Tablets und Festplatten liegen. Nach wie vor ist es faszinierend, zuzusehen, wie ein Bild entsteht – gerade für jüngere Leute, die vorher nie mit analoger Fotografie in Berührung gekommen sind. 

Die erste Sofortbildkamera im heutigen Sinne wurde 1947 von Edwin Herbert Land entwickelt und von seinem Unternehmen Polaroid auf den Markt gebracht. Im Laufe der Jahre wurden mehrere Modelle entwickelt, die technisch immer raffinierter waren. Sogar klappbare Kameras mit integriertem Blitzgerät wurden angeboten. In den siebziger Jahren stieg auch Kodak ins Geschäft mit Sofortbildkameras ein, musste aber seine Produkte nach einem Rechtsstreit wieder vom Markt nehmen. Mit dem Siegeszug der digitalen Fotografie nach 2002 wurde es immer stiller um die klassische Sofortbildfotografie. Als Ersatz für die Sofortbildkamera brachte Polaroid eine Digitalkamera mit Minidrucker auf den Markt. Die Stammkundschaft akzeptierte diese digitale Lösung jedoch (noch) nicht. Seit 2008 stellte das Unternehmen Polaroid zunächst keine Sofortbildkameras mehr her. Dann, Anfang 2010, wurde mit der Polaroid 300 wieder eine neue, analoge Sofortbildkamera eingeführt, die übrigens von Fujifilm produziert wurde (genau genommen war es eine Instax mini 8). Eine Gruppe von Enthusiasten hat die Filmproduktionsstätte im niederländischen Enschede vor dem Abbruch gerettet und produziert dort, gemeinsam mit Ilford, neue Filme für alte Polaroid-Kameras.

Das Comeback wurde aber mit der Instax Kamera von Fujifilm eingeleitet. Die erste Kamera unter diesem Namen erschien bereits 1999 auf dem Markt. Seither wurde diese Produktelinie stetig erweitert. Im Gegensatz zu den Filmkassetten von Polaroid kommen die Fuji-Instax-Filme ohne integrierte Batterien aus, wodurch das System ökonomischer und ökologischer ist. Heute vertreibt Fujifilm seine Sofortbildkameras weltweit mit grossem Erfolg. Fujifilm hat nicht nur mehrere Kameramodelle, sondern auch Filmmaterial mit verschiedenen Formaten im Programm. 

Die Instax Wide 300 beispielsweise bietet Aufnahmen im Format 62x99mm. Die Kamera ist einfach zu bedienen, hat einen neuen Griff zur optimalen Handhabung, sowie einen optischen Echtbildsucher. Der Einstellring am Objektiv bietet zwei Schärfebereiche, dazu kommt ein praktischer Stativanschluss. 

Neben Funktionen wie dem integrierten, automatischen Elektronenblitz, gibt es auch einen Aufhellblitz für Aufnahmen im Gegenlicht und eine Steuerung zur Aufhellung/Abdunklung für kreative High-key- und Low-key-Effekte. Mit einem Objektivvorsatz für Nahaufnahmen gelingen optimale Aufnahmen aus 40 bis 50cm Abstand vom Motiv. In Kürze wird zudem wieder ein Film für quadratische Bilder erhältlich sein.

Doch auch Polaroid ist nicht untätig geblieben. So hat das Unternehmen Kameras entwickelt, die nicht nur ein Sofortbild ausgeben, sondern dieses auch noch (digital) speichern können. Die Polaroid Snap Touch kann über einen eingebauten Drucker die Lieblingsmotive auf das selbstklebende Vollfarben-Fotopapier drucken. Somit können diese an Ort und Stelle mit Freunden geteilt werden. Für den Druckprozess werden keine Toner oder Farbpatronen benötigt und die Bilder können sofort oder zu einem späteren Zeitpunkt ausgedruckt werden. Mit Fotorahmen, Filtern oder digitalen Stickern bietet die Kamera zudem zahlreiche Bearbeitungsmöglichkeiten. Smartphones und Tablets lassen sich via Bluetooth-Verbindung und der Polaroid Universal Print App mit der Kamera koppeln, um Bilder vom Mobilgerät auszudrucken. Neben der Sofortbildfunktion ermöglicht die Polaroid Snap Touch sogar Videoaufnahmen in HD-Qualität.

Ganz im Trend ist die Leica Sofort. Sie bietet neben vollautomatischer Aufnahme auch manuelle Einstellungen für Entfernung, Blitz sowie eine Belichtungskorrektur. Sie verfügt zudem über Aufnahmeprogramme für Makro, Langzeitbelichtung, Party und Leute, Sport und Action, Doppelbelichtung und Selfie. Zudem ist ein Selbstauslöser integriert.

Wer‘s exklusiv mag, kauft sich allerdings eine sorgfältig renovierte echte Polaroid. Diese werden in Sets angeboten, komplett mit Farbfilmen. Es scheint also, dass uns die Sofortbild-Fotografie noch lange erhalten bleiben wird. (wr)

 
Werner Rolli