Drohnen eröffnen der Fotografie neue Perspektiven

 
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Drohnen – auch Flugroboter oder Multikopter genannt – erfreuen sich bei Fotografen steigender Beliebtheit. Das ist nicht weiter verwunderlich, ermöglichen Drohnen doch Aufnahmen aus ungewohnten Perspektiven. Luftaufnahmen wirken auf so manchen Betrachter schon deshalb spektakulär, weil sie – besonders für Amateure – eben nicht so einfach zu haben sind. Wer aus einem Linienflugzeug fotografiert, hat meist keine befriedigende Sicht auf die Landschaft unter ihm. Helikopter sind teuer und sie starten in der Regel auch nur bei guter Witterung. Wird mit Drohnen fotografiert, so ist die Kamera im Freien, meist unterhalb des Flugkörpers an einem Gimbal befestigt. Dank ausgeklügelter Fernsteuerung kann die Kamera um 360° gedreht und nach oben und unten geschwenkt werden.

Drohnen können aber noch viel mehr: Sie sind beispielsweise in der Lage eine Gletscherspalte zu erkunden, vermisste Personen in schwer zugänglichem Gelände aufzuspüren und die Fassade von historischen Bauwerken und Denkmälern zu erkunden, was sich gerade in der Architektur und in der Denkmalpflege auszahlt. Wird die Drohne mit einer Videokamera ausgerüstet, kann sie zudem spektakuläre Aufnahmen von Sportereignissen, Volksfesten und ähnlichem liefern. 

Die steigende Nachfrage nach Drohnen führt natürlich auch zu einem beinahe unüberschaubaren Markt für Fotodrohnen. Da gibt es Modelle mit eingebauter Kamera. Andere lassen sich mit Actioncams, manche – allerdings schon etwas grössere und teurere Modelle – können mit einer professionellen Spiegelreflexkamera ausgerüstet werden. 

Preiswerte Drohnen lassen oft eine stabilisierende Kamerahalterung vermissen. Deshalb wirken die Videoaufnahmen oftmals sehr wacklig. Die Flugzeiten solcher Günstigmodelle liegen bei rund 15 Minuten und die Flughöhe bei zirka 50 Meter. Wer mehr investieren will, kann unterdessen sogar eine Hasselblad-Kamera am Gimbal befestigen. Dann ist allerdings Teamarbeit angesagt: Drohne und Kamera werden vom Boden aus gesteuert. Meist wird die Drohne auch von einem Drohnen-Piloten bedient. Und genau darin unterscheiden sich Profis von Amateuren. Wer sich eine Drohne besorgt, kann nicht einfach sorglos drauflos fliegen. Es gilt immer, wichtige Regeln zu beachten. So darf man zwar ohne Bewilligung (Stand September 2017) in der Schweiz ferngesteuerte Multikopter unter 30 Kilogramm Gesamtgewicht mit direktem Augenkontakt des Piloten fliegen lassen. Als offizielle Teilnehmer an Flugveranstaltungen und auf Modellflugplätzen, sowie in der freien Natur und über bewohntem Gebiet ohne Menschenansammlung (über zwei Dutzend Personen auf engem Raum) dürfen Drohnen ebenfalls frei steigen. Dabei sind allerdings Privatsphäre und Naturschutzgebiete zu beachten.

Zwingend eine Bewilligung braucht es aber, wenn ein Multikopter mit Videobrille gesteuert und ohne zweiten Piloten mit Augenkontakt gesteuert wird. Übersteigt das Gewicht des Fluggeräts 30 Kilogramm, wird es im Freien näher als 100 Meter an einer Menschenansammlung oder über 150m Höhe in einem der auf der beim BAZL erhältlichen Kontrollzonen geflogen, ist dies ebenso bewilligungspflichtig: Seit der Gesetzesrevision vom 1. August 2014 gilt neu eine Bewilligungspflicht für das Überfliegen grösserer Menschenansammlungen, z.B. bei einem Fest, einem Umzug oder einer Sportveranstaltung. Auch wenn Hobby-Drohnen zusätzlich zur Fernsteuerung mit GPS versehen sind, können sie ausser Kontrolle geraten und andere Personen gefährden.

Das Gesetz schreibt zudem vor, dass im Umkreis von fünf Kilometern um zivile und militärische Flugplätze, ohne Bewilligung durch den Flugplatzleiter oder die Flugsicherung Skyguide, keine Modellflugzeuge oder Drohnen betrieben werden dürfen. Um jeden grösseren Flugplatz gibt es zudem eine sogenannte Kontrollzone (CTR), die einen grösseren Radius als fünf Kilometer aufweist. In dieser Kontrollzone dürfen Drohnen und Modellflugzeuge nur bis 150 Meter über Grund geflogen werden.

Ausserhalb dieser Zonen gilt es zu bedenken, dass ab einer Höhe von 150 Metern über Grund über unbewohntem und 300 Meter über bewohntem Gebiet auch kleine Flugzeuge oder Helikopter anzutreffen sind. Diese haben kaum eine Chance, eine Drohne oder ein Modellflugzeug rechtzeitig zu erkennen und können daher kaum ausweichen. 

Ein Zusammenstoss mit einer Drohne könnte fatale Folgen haben. Zudem sind immer auch die örtlichen Bestimmungen zu beachten. Es wäre zum Beispiel eine ganz schlechte Idee, ohne Bewilligung eine Drohne in der Nähe des Wirtschaftsforums WEF in Davos steigen zu lassen. So verlockend die Fotografie mit Hilfe von Drohnen auch sein mag, ist ein Fluggerät doch immer nur Mittel zum Zweck. Aufnahmen aus der Höhe lassen sich oft auch mit Hochstativen, aus Häusern, Krans und Aussichtspunkten realisieren. Und: Der Luftaufnahmen-Aspekt allein reicht einfach nicht aus für ein fesselndes Foto – kein Wunder angesichts der Inflation fliegender Kameras. Gefragt ist je länger je mehr eine eigene Bildsprache, ein Erkennungsmerkmal, das den einen Fotografen von der Konkurrenz unterscheidet. 

Werner Rolli

Informationen zu den Bestimmungen des
BAZL finden Sie hier: 

www.bazl.admin.ch/bazl/de

 
Werner Rolli