Astrofotografie: spektakuläre Aufnahmen dank Technik

 

Die Astrofotografie erfreut sich derzeit einer wachsenden Popularität. Dank modernen Kameras und Objektiven ist sie auch einfacher denn je. Doch wer spektakuläre Bilder des nächtlichen Himmels anstrebt, muss so einiges beachten. 

© Werner Rolli

© Werner Rolli

Wie bei vielen fotografischen Vorhaben stehen zuerst die Bildidee, die Recherche und eine gründliche Vorbereitung. Wer den Sternenhimmel fotografieren will, sollte dies nicht unbedingt in einer Vollmondnacht versuchen. Am besten eignen sich mondlose Nächte – also die Zeit um Neumond. Allenfalls kann das Licht des Halbmondes helfen, der Landschaft etwas Zeichnung zu verleihen. Ausserdem muss die Lichtverschmutzung von Städten und Siedlungen berücksichtigt werden. Die beste Zeit für Astroaufnahmen sind die Wintermonate. Dank der klaren und trockenen Luft sind die Sterne dann besser sichtbar. Die besten Orte für Aufnahmen des Firmaments sind Gebirge und Wüstengebiete. Schnee und Eis haben zudem den Vorteil, dass sie Licht reflektieren und damit die Zeichnung in den Schattenpartien begünstigen. 

Die beste Zeit, um den Mond zu fotogra-fieren, ist in der Regel 1–2 Nächte vor Voll-mond. Der Mond ist dann nicht ganz so hell und er geht früher auf. Somit haben wir noch einen Rest blauen Himmel und nicht einfach bloss ein schwarzes Tuch. Bei der Recherche zu Zeitpunkt und Ort von Nachtaufnahmen helfen Apps wie «PlanIt!», «Stargaze» und andere. Sie zeigen auch die Position von bestimmten Planeten, der Milchstrasse und die aktuelle Mondphase an. Weitere Hilfsmittel sind Google Earth und Landkarten.

Für gute Astrofotografie braucht es keine komplizierte Ausrüstung. Allerdings lohnt es sich, vor dem Kauf die einzelnen Komponenten gut zu vergleichen. So wird etwa ein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv benötigt, das einen möglichst grossen Bildwinkel aufweist. Häufig kommen hier Festbrennweiten um 14 mm zum Einsatz. Alternativ kann auch ein Zoomobjektiv wie etwa ein 14-24 mm Weitwinkel verwendet werden. Allerdings ist eine hoch geöffnete Blende Pflicht – durchgehend F2.8 bei Zooms. Festbrennweiten trumpfen mit Lichtstärke F1.4.

Um den Mond zu fotografieren braucht es hingegen Teleobjektive, wobei 200 mm das Minimum darstellt. Diese Brennweite eignet sich z.B., um im Vordergrund noch einen Baum oder ein Gebäude ins Bild zu rücken. Soll hingegen der Mond möglichst gross aufs Bild, so sind Brennweiten über 600 mm angesagt. Diese Boliden stellen aber auch besondere Anforderungen an Stativ und Stativkopf. 

Für lange Belichtungszeiten ist ein Stativ unabdingbar. Dieses sollte jedoch sehr stabil sein. Im Zweifelsfall kann es mit Gewichten zusätzlich stabilisiert werden. 

Wichtig ist, dass sich der Kopf so arretieren lässt, dass er sich auch bei hoher Belastung nicht verstellt. Eine separate Friktionseinstellung ist dabei hilfreich. Während ein Kugelkopf auf den ersten Blick praktisch erscheint, hat der Getriebeneiger den unschätzbaren Vorteil, dass er sich äusserst schnell und gleichzeitig präzise ausrichten lässt – besonders wertvoll, wenn der Fokus auf einer bestimmten Sternformation liegen soll. 

Fernbedienung ist für Langzeitbelichtungen Pflicht. Zu gross ist sonst die Gefahr, dass die Bilder verwackelt werden. Verschlusszeiten über 30 Sekunden lassen sich selbst an modernen Kameras nur selten einstellen, hingegen lassen sich in den Modi «Bulb» oder «Time» beliebig lange Zeiten erzielen. Für die «Bulb»-Einstellung muss die Fernbedienung irgendeine Form der Arretierung aufweisen. Im «Time»-Modus entfällt dies. Bei Spiegelreflexkameras sollte zudem die Spiegelvorauslösung aktiviert werden. Spiegellose Kameras benötigen diese Funktion logischerweise nicht. Zur Ausrüstung gehören selbstredend auch frische Akkus, genügend Speicherkarten, gute Schuhe, warme Kleidung, Taschenlampe und Proviant.

Bei den Kameraeinstellungen wählt man am besten den manuellen Belichtungsmodus (M). Auch fokussiert wird am besten manuell. Der Bildstabilisator muss ausgeschaltet bleiben, er richtet sonst mehr Schaden an als Nutzen. Die Rauschunterdrückung sollte man ausschalten. Gerade bei längeren Verschlusszeiten wird die lange Wartezeit zwischen den Aufnahmen lästig. Das Bildrauschen lässt sich zudem in der Nachbearbeitung viel kontrollierter eliminieren.

© Werner Rolli

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Für Mondbilder reichen in der Regel ISO 200 bis 400 längstens. Die Verschlusszeit fällt relativ kurz aus und ist auch von der verwendeten Brennweite abhängig. Sie sollte nicht länger sein als 1/20s und kann aber bis zu 1/250s erreichen. Die Blende ist idealerweise nicht voll geöffnet, sondern bei einem Wert von 4.0 bis 8.0– abhängig natürlich wiederum von Zeit, ISO und Helligkeit des Mondes.

Für Aufnahmen des Sternenhimmels steht zuerst die Frage im Raum, ob die einzelnen Sterne scharf, als Punkte, dargestellt werden sollen oder als Sternbahnen. Die Belichtungszeit hängt ferner davon ab, ob eine Kamera mit Crop-Faktor oder eine Vollformatkamera benutzt wird.

Die – vereinfachte – Formel für die beste Verschlusszeit lautet bei Crop-Sensoren: 300:Brennweite, bei Vollformat-Kameras: 500:Brennweite. Konkret ergibt sich also für eine Kamera mit APS-C Sensor und einem 20 mm Objektiv eine Verschlusszeit von 15 Sekunden (300:20=15). Bei Vollformat-Kameras ergibt sich eine Be-lichtungszeit von 25s (500:20=25). 

Für den Sternenhimmel muss die Blende möglichst weit geöffnet sein, konkret also z.B. Blende 2,8. Umso wichtiger ist die korrekte Einstellung der Schärfe. Verfügt das Objektiv über eine Entfernungsskala, sollte die Schärfe ganz einfach auf «unendlich» gestellt (∞) werden.  

Um diese – relativ kurzen – Zeiten einzuhalten, kann es sein, dass die ISO-Einstellung locker einmal bis 3200 hochschnellt. Wer mit längeren Verschlusszeiten arbeiten möchte, um Sternbahnen (oder Blitze bei einem Gewitter) aufzuzeichnen, sollte die ISO-Einstellung wieder reduzieren, auf etwa 400 bis 800. 

Je länger die Belichtung, desto länger die Sternbahnen. Hier wären Verschlusszeiten ab 30 Minuten optimal, am besten noch länger, nämlich 1 bis 2 Stunden. Allerdings werden die wenigsten Kameras da noch mitspielen, weil die Akkus möglicherweise vorher den Geist aufgeben. Ausserdem werden aufgrund der Sensorerwärmung das Bildrauschen und Hot Pixels sehr markant sichtbar. 

Hot Pixels werden am besten mit der Funktion «Staub und Kratzer» entfernen in Photoshop eliminiert. Dem (oft überbewerteten) Bildrauschen kommt man mit Plug-ins wie «Neat-Image», «Noise-Ninja», «Dfine» usw. bei. Wobei auch Lightroom, Adobe Camera RAW und andere RAW-Konverter, sowie Photoshop über eigene Rauschfilter verfügen. 

Viele Fotografen erzielen hervorragende Sternbahnen mit dem sogenannten «Stacking», das heisst, es werden mehrere Aufnahmen in einer entsprechenden Software übereinander gelegt und zu einem Bild verarbeitet. Eine verbreitete App ist StarStax von Markus Enzweiler. Oft werden die Sternbahnen mit dieser Technik kontrastreicher wiedergegeben. Aufgrund der eher hohen ISO-Einstellung werden auch weniger hell leuchtende Sterne im Bild sichtbar. Ebenfalls sehr beliebt ist das «Time Blending», bei dem Dämmerungsaufnahmen der Landschaft mit Nachtaufnahmen des Sternenhimmels kombiniert werden (oft zusätzlich mit «Fokus Stacking»).

Die Nachbearbeitung beinhaltet in der Regel eine Feinjustierung des Weissabgleichs, Steigerung des Kontrastumfangs und eine moderate Korrektur von Lichtern und Schatten. Werner Rolli

 
Werner Rolli