Wie gelingen spannende Tierbilder?

 

Tiere gehören – neben Kindern und Urlaubserinnerungen – zu den beliebtesten Motiven überhaupt. Wer Tiere fotografieren möchte, muss dazu nicht zwingend in exotische Länder reisen – obschon sich Tiger, Löwen, Elefanten & Co. grösster Beliebtheit erfreuen. Die grösste Herausforderung für Tierfotografen ist – neben der langen Anreise und der spezialisierten Ausrüstung – vor allem, die Verhaltensweisen der verschiedenen Tiergattungen zu kennen. Auch Haustiere – Hunde und Katzen – sind sehr beliebte und dankbare Motive. Auch hier ist es hilfreich, zu wissen, wie Bello und Mautzi reagieren. Katzen lassen sich, im Gegensatz zu Hunden, kaum dazu bewegen, für die Kamera zu posieren. Am besten fotografiert man Katzen, wenn sie beschäftigt sind. Katzen sind in der Regel sehr verspielt und neu-
gierig. Macht man zum Beispiel ein unerwartetes Geräusch, ist die Chance gross, dass die Katze genau in Richtung des Ge-räusches schaut – also zum Beispiel direkt in die Kamera. Apropos Blick: Wie bei Menschen auch, sollte man Tiere wenn möglich auf Augenhöhe fotografieren. 

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Hunde lassen sich dressieren. Ihre Aufmerksamkeit erregt man auch mit Geräuschen – oder notfalls mit einem Hundeleckerli. Wichtig ist, dass Hunde den Kopf aufrecht halten und beide Ohren nach vorne richten. Der Gesichtsausdruck wirkt so lebhafter. Öffnet der Liebling dazu noch leicht die Lefzen und zeigt seine Zunge, kann das auch sehr reizvoll wirken. Für Bewegtbilder reicht es oft schon, den Hund einen Ast oder einen Ball rapportieren zu lassen. Das klingt einfacher, als es ist. Für gelungene «Actionaufnahmen» sind eine möglichst kurze Verschlusszeit (am besten um 1/1000s) und ein präziser Autofokus wichtig. Dabei ist selbstredend ein lichtstarkes Telezoom hilfreich. 

Wer es doch lieber exotisch mag, kann auch im lokalen Zoo die ersten Erfahrungen sammeln. Nicht, dass es eine einfache Sache wäre, Tiere im Zoo zu fotografieren. Da sind Zäune, Gitter und Glasscheiben im Weg. Daher gilt es, mit längeren Brennweiten und offener Blende zu arbeiten. Wer nahe genug an den Maschendrahtzaun heran geht, kann mit einer offenen Blende das Gitter ausblenden. Das funktioniert mit dunklen Gitterstäben übrigens besser als mit hellen (die reflektieren mehr Licht). Am meisten Bewegung ergibt sich zur Fütterungszeit der Tiere. Diese werden durch die Zoos auf der Website und auf Infotafeln bekannt gegeben. Im Zoo Zürich werden gar Fotokurse angeboten. Es lohnt sich also, alle Möglichkeiten auszuloten. 

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Manche Tiere leben in Aquarien und Terrarien. Durch eine Glasscheibe zu fotografieren kann äusserst frustrierend sein. Am besten entfernt man die Streulichtblende vom Objektiv und geht so nahe ans Glas, bis nichts mehr reflektiert. Übrigens hilft auch dunkle Kleidung, unschöne Reflexe auf Glasscheiben zu reduzieren. In manchen Fällen hilft auch ein Polfilter.
Ein Makroobjektiv mit moderater Brennweite kann hilfreich sein, wenn kleinere Lebewesen fotografiert werden. Ansonsten sind lichtstarke Teleobjektive und Telezooms ein Must im Zoo. Die Tiere sind oft weit weg und interessieren sich nicht allzu sehr für Besucher. Auch wer im Zoo fotografiert, kommt nicht ganz darum herum, sich generell mit den Verhaltensweisen und Eigenheiten der Tiere auseinanderzusetzen. Wann hat welches Tier ein Wintergefieder? Wann wird Nachwuchs erwartet? Wann sind die Tiere aktiv, wann schlafen sie? Wann ist Paarungszeit?

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Wird die Geduld im Zoo (und von Haustieren) auf die Probe gestellt, so ist das Fotografieren von Tieren in freier Wildbahn noch viel zeitaufwändiger. Man sollte auch nicht vergessen, dass sich Profis und engagierte Tierfotografen oft über Jahre mit ihren Motiven beschäftigen. Es gibt Tage, sagt Marcel Burkhardt, dessen Bilder wir im Portfolio und auf diesen Seiten präsentieren, an denen man froh ist, wenn überhaupt ein einziges Bild gelingt. Erfahrene Fotografen wissen, welche Tränken und Futterstellen am erfolgversprechendsten sind. Sie verbringen ganze Tage (und manchmal auch Nächte) in Zelten und auf Hochsitzen. Manchmal muss man auch tricksen und Köder auslegen, um überhaupt eine Chance auf ein gutes Bild zu haben. Technische Hilfsmittel können auch zu aussergewöhnlichen Bildern führen. So montieren gewiefte Fotografen Kameras an exponierten Stellen. Diese sind mit Bewegungsmeldern oder Lichtschranken und ähnlichen Geräten gekoppelt und lösen – quasi automatisch – im richtigen Moment aus. Eine Garantie für gelungene Bilder sind sie aber nicht. Manchmal gehört einfach auch etwas Glück dazu. 

Wer sich mit einheimischen Tieren in freier Wildbahn beschäftigen möchte, kann sich mit Jägern und Wildhütern kurzschliessen. Sie wissen schliesslich am besten, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Insekten und heimische Vögel lassen sich mancherorts aber auch gleich vor der Haustüre fotografieren. Die gefiederten Freunde wissen ein Vogelhäuschen, eine gute Nistgelegenheit und etwas Futter durchaus zu schätzen. Dies gibt uns die Chance, eine Kamera zu installieren und die Vögel zu beobachten und zu fotografieren. Auch hier kann es sein, dass man durch ein geschlossenes Fenster hindurch fotografieren muss. Deshalb sollte das Objektiv das Glas beinahe berühren, das Raumlicht ist am besten ausgeschaltet und das Futter wird jeweils nachgefüllt, wenn die Tiere gerade nicht in der Nähe sind. 

Wer noch einen Schritt weitergehen möchte, kann eine Fotofalle in Form einer Lichtschranke installieren. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Kamera an einen Computer anzuschliessen und mit einer Steuersoftware die Kamera vom Computer her auszulösen. Dadurch wird die Gefahr eliminiert, dass man durch seine eigene Anwesenheit die scheuen Tiere immer wieder in die Flucht treibt. 

Auch für Insekten lassen sich Futterstellen einrichten. Unter Umständen reicht es schon, ein paar Balkonblumen günstig zu platzieren. Um Bienen, Hummeln und Schmetterlinge zu fotografieren, ist ein Makroobjektiv mit längerer Brennweite hilfreich. Um die Tiere freizustellen, ist eine offene Blende notwendig. Dies lässt den Hintergrund in Unschärfe versinken, was den Blick des Betrachters auf das gewünsche Detail lenkt. Eine weitere Möglichkeit wäre, störende Elemente im Hintergrund mit Hilfe eines schwarzen Kartons oder eines Tuches zu eliminieren. Dadurch wirkt das Bild fast schon wie eine Studioaufnahme. Zu beachten ist dabei allerdings, dass die TTL-Messung der Kamera den dunklen Hintergrund zu stark gewichtet und das eigentliche Sujet deshalb überbelichtet wird. Dem kann man am besten mit einer Belichtungskorrektur begegnen (unbedingt zuerst austesten). 

Als Krönung der Lichtführung könnte zusätzlich ein Blitzgerät installiert werden. Dessen Leistungsstufe wird am besten nach ausgiebigen Testen im manuellen Modus festgelegt. Solange sich die Distanz zwischen Blitzgerät und Sujet nicht verändert, wird die Aufnahme perfekt belichtet. Geduld bringt Rosen – und etwas Glück gehört ja schliesslich auch dazu.

Text: Werner Rolli
Bilder: Marcel Burkhardt

 
Werner Rolli