Wer als Musikfotograf Erfolg haben will, muss in erster Linie die Musik lieben

 

Es hört sich an, als wär‘s der absolute Traumjob: Konzerte zu fotografieren, all die grossen Stars der Musikszene auf der Bühne zu erleben und – mit etwas – Glück hinter der Bühne zu treffen. Die Realität sieht nicht ganz so rosig aus. Damit soll hier aber niemand davon abgehalten werden, Konzerte zu fotografieren. Es braucht aber eine gehörige Portion Glück und viel Beharrlichkeit  dazu. Wer Musik fotografieren will, muss die Musik lieben.  

© Werner Rolli

© Werner Rolli

Erste Schritte in die Welt der Konzertfotografie gelingen am besten mit befreundeten Bands in kleineren Lokalen. Wer auf kleinen Bühnen gute Bilder schiesst, wird mit grossen Häusern kaum Probleme haben. Denn: Aus Budgetgründen sparen kleinere Konzertveranstalter und lokale Bands am Equipment. Das Licht – für Fotografen das wichtigste Element – geht dabei zuerst unter. Grosse Häuser bzw. berühmte Bands, können da aus dem Vollen schöpfen. Das befreit aber angehende Konzertfotografen nicht von der Pflicht, die Belichtungsmessung zu beherrschen. Oft hilft eine Spotmessung auf den Hautton des Sängers (oder Solisten). Wer die Mehrfeldmessung nutzt, wird öfters mal zu Belichtungskorrektur oder noch besser zur  manuellen Einstellung greifen müssen.

© Werner Rolli

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Livekonzerte bergen immer Überraschungen. Da kann es schon passieren, dass ein Künstler bewusst sehr wenig Licht setzt, beinahe mit Kerzenlicht auftritt. Oder dass ein Orchester, ganz in Schwarz gekleidet, nur kleine Leselämpchen auf den Notenständern verwendet. Doch sollte man nicht nur auf lichttechnische Herausforderungen vorbereitet sein, sondern auch darauf, dass manche Künstler mehrere Songs mitten im Publikum spielen. Andere Bands heizen mit wilden Bühnenshows ein. Da wird Feuerwerk gezündet oder Musiker werden zu Trapezkünstlern. Das Nachsehen hat, wer dann die Kamera bereits weggelegt hat. Wobei: Oft dürfen die Fotografen lediglich die ersten 2 bis 3 Songs einfangen. Und die Managements der Bands bestimmen manchmal auch gleich den Standort der Fotografen. Das muss kein Nachteil sein. Beim Konzert von Bryan Adams im «Joggeli» durften die Fotografen zwar nur während zwei Songs fotografieren. Für den zweiten Song wurden aber alle auf eine Tribüne hinter der Bühne geführt, von wo aus alle einen freien Blick auf die Bühne und das Publikum hatten. Dass an grossen Anlässen nur am Anfang des Konzerts fotografiert werden kann, hat gute Gründe. Der Graben vor der Bühne wird freigehalten, damit Sanitäter und Rettungsdienste im Notfall eingreifen können.

 Es lohnt sich, in Bewegung zu bleiben. Kann  man von der Seite der Bühne fotografieren?  Wie kann sichergestellt werden, dass am Ende alle Musiker abgelichtet sind? Frontal vor dem Solisten zu stehen, ist nicht immer die beste Variante. Gerade bei den Sängern verdeckt oft das Mikrofon das halbe Gesicht.

Blitzlicht ist in Konzerten verpönt. Es wird also in aller Regel mit dem vorhandenen Licht gearbeitet. Auf grossen Bühnen und Open Airs ist das auch völlig unproblematisch. Es bedeutet lediglich, dass die ISO-Empfindlichkeit ausgereizt wird. Allfälliges Bildrauschen lässt sich – sofern es denn wirklich stört – nachträglich in der Bildbearbeitung reduzieren. Seit digital fotografiert wird, ist das Spiel mit der ISO-Empfindlichkeit wesentlich einfacher geworden. Musste man sich früher vor dem Konzert für einen bestimmten Filmtyp entscheiden, wird heute ganz einfach an der ISO-Einstellung gedreht. 

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Trotzdem sind für tolle Konzertaufnahmen gute, lichtstarke Objektive unerlässlich. Die Abbildungsqualität von Zoomobjektiven wurde massiv verbessert. Hersteller wie Sigma, Canon, Nikon oder Tamron bieten alle Zoomobjektive mit durchgehend gleichbleibender Anfangsöffnung F2,8 an. Festbrennweiten bieten natürlich noch einen Tick mehr. So sind Objektive mit Lichtstärke F1,4 immer eine gute Investition. Allerdings ist es dann auch eine Überlegung wert, mit zwei Bodies zu arbeiten, um das ständige Wechseln des Objektivs zu umgehen. Apropos Gehäuse: Waren früher Spiegelreflexkameras Standard, so setzt eine zunehmende Anzahl Fotografen auf spiegellose Gehäuse. Diese sind in aller Regel kompakter und damit auch handlicher.

Geschwindigkeit geht bei Konzertfotos in der Regel vor Auflösung. Die meisten Bilder werden für die Tagespresse, Musikzeitschriften oder Internet-Blogs gemacht. Selbst wenn Bilder für die Promo der Band und allenfalls für ein CD-Cover verwendet werden, reichen 24 MP allemal. Die kommerzielle Verwendung von Konzertfotos ist ohnehin eingeschränkt oder gar untersagt. Grosse Bands (bzw. deren Management) legen den Fotografen Verträge vor, in denen die Publikation von Fotos sehr genau geregelt ist. Genaue Abklärungen zur Zweitverwendung von Aufnahmen sind dringend empfohlen. Musikfotografie ist und bleibt eine spannende und befriedigende Kunst. 

Text  und Fotos: Werner Rolli

 
Werner Rolli